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Meldungen aus dem Landesverband Mecklenburg-Vorpommern
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50 tote französische Kriegsgefangene bekommen nach 155 Jahren ihre Namen zurück

Gedenkveranstaltung am 23. Mai 2026 auf dem Katholischen Friedhof in Schwerin

Gedenkveranstaltung mit Kränzen und Blumen an einem Kriegsgräberdenkmal auf dem katholischen Friedhof in Schwerin

Gedenkveranstaltung mit Niederlegung von Kränzen und Blumen an einem Kriegerdenkmal auf dem katholischen Friedhof in Schwerin, begleitet von einer Person mit Nationalflagge. Rainer Cordes

Erinnerung an ein dunkles Kapitel europäischer Geschichte

Auf dem Katholischen Friedhof in Schwerin wurde am Pfingstsamstag der 50 verstorbenen französischen Kriegsgefangenen des Deutsch-Französischen Krieges von 1870/71 gedacht. Die bewegende Zeremonie machte zugleich die große Bedeutung der deutsch-französischen Aussöhnung deutlich – einer Aussöhnung, die erst nach zwei Weltkriegen und Millionen von Toten gelang.

Zwischen September 1870 und März 1871 waren mehr als 1.400 französische Kriegsgefangene in Schwerin interniert. Viele von ihnen wurden zu Arbeiten im damaligen Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin eingesetzt. Noch heute erinnern der Schweriner „Franzosenweg“ sowie der „Franzosensteg“ in Neustrelitz an ihr Schicksal. 50 der Gefangenen überlebten die Haft nicht, die meisten starben an Typhus. Sie wurden auf dem Katholischen Friedhof in Schwerin beigesetzt.

Namenstafel ergänzt restaurierten Obelisken

Bereits ein Jahr nach Kriegsende errichteten engagierte Schweriner Bürgerinnen und Bürger aus der katholischen Kirchengemeinde einen Obelisken zum Gedenken an die Verstorbenen. Nun, 155 Jahre später, erhielten die Toten auch ihre Namen zurück: Neben dem restaurierten Denkmal wurde eine Gedenktafel mit den Namen aller 50 verstorbenen französischen Kriegsgefangenen eingeweiht.

Im Rahmen der Zeremonie wurden alle Namen verlesen. Unter den Gästen befanden sich Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Bundeswehr, Gesellschaft und Erinnerungskultur, darunter Serge Barcellini, Präsident von Le Souvenir Français, sowie Lorenz Caffier.

Junge Generation setzt Zeichen der Versöhnung

Besonders bewegend waren die Beiträge junger deutscher und französischer Soldaten zur deutsch-französischen Aussöhnung. Anschließend wurden Kränze und Blumen niedergelegt – auch durch Vertreter von vier Heimatgemeinden der verstorbenen Franzosen sowie Angehörige zweier ihrer damaligen Regimenter.

Die Wiederherstellung der Gedenkstätte ist vor allem dem Engagement der Abteilung für Gedenken, Kultur und Archive des französischen Ministeriums der Streitkräfte zu verdanken. Sie ermöglichte nicht nur die Sanierung des Obelisken, sondern auch die Anbringung der neuen Namensplatten.

Dank an langjähriges Schweriner Engagement

Ein besonderer Dank galt dem Schweriner Ehepaar Fritz und Monika Loest. Ihrem jahrzehntelangen Einsatz ist es zu verdanken, dass die in den 1980er Jahren stark vernachlässigte Gedenkstätte erhalten blieb und bereits 1996 umfassend restauriert werden konnte. Colonel Henri Lambaré, Regionalvertreter von Le Souvenir Français für Mecklenburg-Vorpommern, würdigte ihr Engagement als „ein Beispiel und Zeugnis der Freundschaft zwischen dem französischen und dem deutschen Volk“.

Deutsch-französische Freundschaft als Auftrag für die Zukunft

In seiner Rede erinnerte Lorenz Caffier daran, dass die deutsch-französische Aussöhnung ein besonders eindrucksvolles Beispiel gelungener Friedensarbeit sei. Aus ehemaligen Gegnern seien enge Partner und Freunde geworden – das Ergebnis bewusster politischer Entscheidungen und kontinuierlicher Begegnungen.

Auch Schwerins Vize-Oberbürgermeister Bernd Nottebaum betonte die Bedeutung der deutsch-französischen Freundschaft. Diese werde seit Jahrzehnten intensiv durch Begegnungen und Partnerschaften gelebt. Das gemeinsame Gedenken an die französischen Kriegsgefangenen sei ein wichtiger Beitrag, diese Erinnerung und den Gedanken der Versöhnung auch für kommende Generationen zu bewahren.